
Seit mehr als 10 Jahren bin ich hier im Wahlkreis für Die Linke aktiv. Die große Herausforderung hier ist es, immer wieder das Verbindende zwischen den teilweise doch recht unterschiedlichen Gegebenheiten herauszustellen, einer beispielsweise
ziemlich ungleichmäßig verteilten Infrastruktur und der diversen Lebenswelten der nicht nur vom S-Bahn-Ring geteilten Wohngebiete von Alt-Treptow, Baumschulenweg und Plänterwald.
Eine große Gemeinsamkeit zwischen den Ortsteilen ist der Kampf um bezahlbaren Wohnraum. Die Unterstützung von Initiativen der Mieter:innen, die sich gegen überhöhte Nebenkostenabrechnungen und Mietwucher wehren, hat für mich oberste Priorität.
Mittlerweile werden die steigenden Mietpreise nicht nur beim Wohnen, sondern auch für das so wichtige Kleingewerbe – der Bäcker, das Café, die Schneiderei um die Ecke – zum Problem. Unser Kiezleben droht unter dem Renditedruck kaputt zu gehen.
Während die großen Defizite in der Nahversorgung im Plänterwald schon seit Jahren offensichtlich sind, lohnt es sich inzwischen auch in Alt-Treptow immer mehr, für gut erreichbare soziale Angebote, ärztliche Versorgung und kulturelles Leben aktiv zu werden.
Die Situation am früheren Cine-Star, dass nun leer steht, wie auch das erst langsam Sterben und die nun endlose Baustelle im Parkcenter, machen das Problem auch innerhalb des S-Bahn-Rings drängender.
Nachverdichtungen sind in allen drei Ortsteilen große Aufreger – und das zu Recht. Werden hier doch wie die Erfahrung aus Plänterwald zeigt, ohne begleitenden Ausbau der Infrastruktur einfach nur Grünflächen versiegelt und so der „Schlafstadt“-Charakter in mehreren Wohngebieten verstärkt.
Das Fehlen von Einkaufsmöglichkeiten, die zum Teil sehr langen Wege zu fach- und hausärztlicher Versorgung verringern die Lebensqualität nicht nur für ältere Bewohner*innen. Mangelnde Infrastruktur und schlechte Verkehrsanbindung treffen dabei die neu Hinzugezogenen genauso wie Alteingesessene.
Die Baumschulenstraße muss vom Durchgangsverkehr entlastet und die ÖPNV-Verbindungen gestärkt werden. Denn auch hier bei uns im Wahlkreis gilt, was für ganz Berlin gilt: Ein flächendeckend ausgebauter, barrierefreier, preisgünstiger und zuverlässiger ÖPNV muss die Grundlage jeder sozialen und nachhaltigen Verkehrspolitik sein.
Denn es geht tatsächlich nicht darum, Autos zu verbieten, sondern die meisten von ihnen durch klug geplante Alternativen überflüssig zu machen. Dass sich Anwohnende in Alt-Treptow mit viel Engagement auf den Weg gemacht haben, um mit einem Kiez-Block-Konzept den Kiez vom Durchgangsverkehr zu entlasten, ist unterstützenswert und ermutigend.
Mut brauchen wir auch, wenn wir gemeinsam Zivilcourage zeigen – gegen Hass und rechte Hetze. Egal ob bei den zunehmenden Übergriffen in Alt-Treptow oder dem Angriff auf Monir Khan, den Mann der Pfarrerin der Kirche in Baumschulenweg: ich bin immer wieder stolz wie stark, bunt und laut die demokratische Antwort aus unserer
Nachbarschaft auf solche Vorfälle ausfällt. Ich bin seit Jahren antifaschistisch im Kiez engagiert. Das geht von aktiver Erinnerung, wie der Verlegung von Stolpersteinen bis hin zur aktuellen Information und Mobilisierung gegen rechtsextreme Strukturen. Selbstverständlich bin ich deshalb Mitglied im BdA Treptow.